Geld anlegen – Teil II

Kündigung von Lebensversicherungen und Fondspolicen

Teil II unseres Beitrages zum Thema „Geld anlegen“ beschäftigt sich mit weiteren Aspekten der Versicherungen:

Wenn es dem Menschen in unserem Beispiel nur um Vermögensbildung geht und nicht um Rente oder um die Versorgung von Angehörigen, würde er besser fahren, wenn er jeden Monat beharrlich die 280 Euro bei einer Bank einzahlen würde. Selbst wenn die Zinsen, was unwahrscheinlich ist, in den nächsten 45 Jahren nur 1,25 % ausmachen würden, hätte er am Ende immerhin 203.301,87 Euro zusammen. Die Anlage bei einer Bank hat auch noch einen weiteren Vorteil: Man ist nicht an eine meist sehr lange Vertragslaufzeit gebunden, denn

ein großer Fehler

kann es sein, eine Lebensversicherung vorzeitig zu beenden. 85 % aller Kunden begehen ihn. In den ersten zehn Jahren ist der Schaden einer Kündigung sogar am größten. Wenn der Mensch in unserem Beispiel nach fünf Jahren merkt, dass er sich die 280 Euro im Monat nicht mehr leisten kann, hat er ein schlechtes Geschäft gemacht. Einbezahlt hat er bis dahin 16.800 Euro. Zurückbekommen wird er nach den Regeln der Versicherungsmathematik nur rund 8.800 Euro. Vor allem darf man sich nicht von einem anderen Vertreter zur Kündigung einer einmal abgeschlossenen Lebensversicherung überreden lassen, weil er eine wesentlich bessere Versicherung anzubieten hätte. Das hat er sicher nicht. Weil es nämlich keine gute oder schlechte Mathematik gibt, sind alle Versicherungen ungefähr gleich gut oder schlecht. Außer Einbußen hat man als Kunde deshalb gar nichts von einem Wechsel. Dem Vertreter geht es nur um Provision. Wenn man eine Lebensversicherung abschließt, sollte man sie durchstehen. Wenn man nicht sicher weiß, ob man die Einzahlungen durchhalten kann, sollte man den Abschluss von vornherein lassen.

Spezialfall Fondspolice

Wer mitgerechnet hat, kann sich denken, dass es in den Zeiten niedriger Zinsen für die Versicherer schwierig ist, aus 0,3 % für Staatsanleihen auch nur die versprochenen 1,25 % zu machen. Die meisten Versicherer bieten daher Fondspolicen an.
Im Großen und Ganzen funktioniert dort alles genauso. Der Unterschied besteht darin, dass mit dem zur eigentlichen Kapitalanlage zur Verfügung stehenden Teil der Prämie Monat für Monat Anteile an Investmentfonds gekauft werden. In welche Fonds investiert wird, darf sich der Kunde selbst aussuchen. Es sind meist Aktien-, Renten- oder gemischte Fonds, die an der Börse gehandelt werden. Ein festes Endkapital garantiert der Versicherer hier nicht. Es gibt auch keinen Garantiezins. Was am Ende herauskommt, entscheiden die Börsenkurse am letzten Tag. Das ist natürlich wesentlich riskanter. Dafür winken hier erheblich bessere Renditen. Nur: Die meisten dieser Fonds gibt es auch bei jeder Bank.

Finanzierung

Wer sich mit Kredit ein Haus kauft, hört von den Versicherungsvertretern oft, dass man „wegen der Steuer“ gleichzeitig eine Lebensversicherung abschließen soll, mit deren Endkapital man das Darlehen am Ende auf einmal tilgt. Klug ist das nur, wenn man Immobilien kauft, die man vermieten will. Für das Haus, in dem man selbst wohnen möchte, ist dies eindeutig falsch. Für Finanzierungen eine Fondspolice abzuschließen ist sogar katastrophal falsch. Wer zufällig am 12. September 2001 sein Immobiliendarlehen zurückbezahlen musste, als wegen der Anschläge auf das World Trade Center am Tag zuvor die Börsenkurse abstürzten, musste sein Haus zum zweiten Mal abbezahlen. Nicht wenige Versicherungsvertreter wurden anschließend in Schadensersatzprozessen verurteilt.

Nettopolicen

ist das neue Zauberwort. Bei ihnen bezahlt man nämlich nicht die ersten zwei, drei Jahre nur für den Versicherungsvertreter, sondern beginnt gleich mit der Kapitalbildung. Netto bedeutet nämlich: Der Versicherer hat keine Provision für den Vertreter eingerechnet. Deshalb sieht die Rendite auch wesentlich besser aus. Dafür bekommt man aber eine Rechnung vom Vertreter. Bezahlt man sie, ist der schöne Vorteil der Nettopolice wieder dahin. Vorsicht! Die meisten Vertreter dürfen solche Rechnungen gar nicht stellen, weil ihnen die dafür nötige Gewerbeerlaubnis fehlt. Außerdem sind diese Rechnungen oft viel zu hoch. Kluger Weise sollte man bei solchen Überraschungen nicht gleich bezahlen.
Man sieht: So harmlos und zuverlässig, wie sie aussehen, sind Lebensversicherungen nicht.

Eintrag teilen: