Geld anlegen – Teil I

Geld anlegen – Teil I

Wir sind Steuerberater und Rechtsanwälte. Steuerliche oder rechtliche Probleme so anschaulich darzustellen, dass es jeder verstehen kann, ist unser Beruf. Unsere Kunden (wir nennen sie natürlich Mandanten) müssen schließlich nachvollziehen können, warum wir was für sie machen.
Es ist ein bekümmerndes Vorurteil, Menschen unseres Berufes seien humorlos und würden eine von Sachlichkeit ausgedörrte Sprache sprechen. Wenigstens auf uns trifft das ganz und gar nicht zu, im Gegenteil: In unserem Beruf braucht man sogar viel Humor. Vor allem finden wir, dass man auch über komplizierte Dinge lustig schreiben kann. Wenn man über sie lacht, wirken sie nämlich plötzlich überhaupt nicht mehr kompliziert.
Unseren ersten Blogeintrag möchten wir so gestalten, dass der Inhalt jeden unserer Mandanten und Leser interessiert. Also: Welches Thema führt eine Verkäuferin, einen Bauunternehmer, eine Zahnärztin oder einen Busfahrer gleichermaßen in unser Büro? Erste Antwort: Verkehrsunfall! Richtig. Nur: Kein Mathematiker würde auf die Idee kommen, einen Aufsatz über die vier Grundrechenarten zu schreiben. Zweiter Versuch: Scheidung! Hervorragend. Allerdings bringt man damit entweder alle Männer oder alle Frauen gegen sich auf, je nachdem, für wen man schreibt. Im dritten Anlauf kam endlich die Erleuchtung:

Geld anlegen – nur wie?

Dieses Thema bewegt die Menschen, die jeden Tag zu uns kommen, tatsächlich sehr häufig . Natürlich (eher: leider) will niemand von uns wissen, wie er sein Geld anlegen soll. Niemand kommt auf den Gedanken, einem Steuerberater oder einem Rechtsanwalt diese Frage zu stellen. Gestellt wird sie uns auch immer andersherum: Wie bekomme ich mein Geld zurück? Ist mein Geld bereits verloren? Bin ich betrogen worden? Steht mir Schadensersatz zu? Wenn ja, wer muss die Sache bezahlen? Wie komme ich aus der Sache wieder heraus? Und was bedeutet dieser Brief vom Finanzamt?
Geht man an den Anfang dieser besorgten Fragen zurück, wird klar, woran es hängt: Die meisten Menschen haben so gut wie keine Ahnung davon, wie man Geld anlegt. Es gibt viele heiße Tipps, aber genauso viel heiße Luft. Man möchte gern schlau sein, aber man entscheidet oft töricht. Man möchte für das Alter vorsorgen, finanziert aber ungewollt nur dem Anlageberater ein schönes Leben. Man muss keineswegs nach Deutschland eingewandert sein, um in verhängnisvolle Geldgeschäfte gelockt zu werden. Wer in Deutschland aufgewachsen ist, hat auf diesem Gebiet genauso wenig Ahnung.

Es ist viel zu lesen, was alles schief geht. Dann wird sich der lustige Ton vielleicht zynisch anhören. Es ist aber kein Zynismus. Höchstens Bedauern, dass uns die Frage niemand vorher stellt.
Lebensversicherung – die Angela Merkel der Geldanlage
Statistiker haben herausgefunden, dass 40 % des in Deutschland vorhandenen Geldvermögens unverzinst oder sogar negativ verzinst auf Bankkonten herumliegt. Es ist nicht einmal angelegt. 6 % stecken in Aktien, 4 % in festverzinslichen Wertpapieren, 3 % in Anteilsscheinen und 10 % in Investmentfonds. Mit einem Anteil von 37 % ist die Lebensversicherung die in Deutschland mit Abstand beliebteste Form der Geldanlage. So viel prozentualer Zustimmung konnte sich in Deutschland sonst nur noch Angela Merkel erfreuen. Wie die Bundeskanzlerin gilt auch die Lebensversicherung als langweilig und bieder, aber zuverlässig und sicher. In Deutschland kommt das gut an. Zurzeit winkt ein gesetzlich garantierter Zins von 1,25 % im Jahr auf das angelegte Kapital. Das klingt niedrig, ist aber immer noch besser als die Rendite deutscher Staatsanleihen, die gerade noch kümmerliche 0,13 % ausmacht. Auf den ersten Blick scheint eine Lebensversicherung das eindeutig bessere Geschäft zu sein. Dass Frau Merkel selbst eine Lebensversicherung hat, glauben wir allerdings nicht. Als Physikerin versteht sie nämlich zumindest
etwas von Mathematik:

Die klassische Lebensversicherung funktioniert so: Ein 20 Jahre alter Mann möchte mit 65 über ein garantiertes Vermögen von 150.000 Euro verfügen. Wenn er bis dahin stirbt, sollen seine Angehörigen ebenfalls 150.000 Euro bekommen. Dafür bezahlt er im Monat etwa 280 Euro, und dies 540 Monate lang. Wer mitgerechnet hat, wird jetzt schon merken, dass da etwas nicht stimmen kann. 540 Monate lang 280 Euro einzuzahlen ergibt doch schon 151.200 Euro. Genau darin liegt die Überraschung, die den meisten Kunden nicht klar ist (als würde es in Deutschland keine Taschenrechner geben).
Versicherungsvertreter sind freundliche Menschen, denen keine Mühe zu viel ist. Mit hastig gebundenen Krawatten kommen sie sogar zu uns nach Hause. Allerdings sind sie nicht umsonst so nett, denn für einen Vertrag von 150.000 Euro Versicherungssumme wie in unserem Beispiel bekommen sie etwa 4.500 Euro Provision. Im Klartext: Die ersten zwei Jahre bezahlt unser junger Mann nur für Provision und Abschlusskosten. Kapital gebildet hat er noch keinen Cent. Zweitens: Eine Versicherung bleibt immer eine Versicherung. Das versicherte Risiko ist hier das Leben des jungen Mannes, auf das die Versicherung wettet. Der Wetteinsatz beträgt im Branchendurchschnitt für einen Zwanzigjährigen 30 Euro. Gewinnt die Versicherung die Wette, streicht sie als Gegenleistung für 540 Monate Zittern jeweils 30 Euro ein. Das sind 16.200 Euro. Wäre der Mann im Beispiel schon 30, wären es Monat für Monat 45 Euro oder insgesamt 24.300 Euro. Kurz: 30 Euro von 280 Euro sind ein Wetteinsatz, der gar nicht zu Anlagekapital wird. Von dem Monat für Monat einbezahlten Geld werden außerdem noch Verwaltungskosten und die wiederum den Versicherungsvertreter erfreuende Bestandspflegeprovision abgezogen. Nur was dann noch bleibt, wird angespart und verzinst. So kommt es, dass man am Ende nur ungefähr das Geld ausbezahlt bekommt, das man einbezahlt hat.

Rentenversicherungen

funktionieren genauso, nur dass das angesparte Geld nicht auf einmal ausbezahlt wird, sondern in Raten, die man Rente nennt. Der Mann im Beispiel würde eine Rente von 705 Euro bekommen. Rechnerisch reicht das Kapital für zwanzig Jahre. Auch hier läuft wieder eine Wette auf den Tod, nur andersherum. Manche Versicherer versprechen die Rente im Vertrag von vornherein nur auf 20 Jahre.

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